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Thesen
Vorbemerkung
Einmal zeigte mir jemand Bilder aus dem World Wide Web. Bilder von Kindern und von Männern, wie sie Dinge miteinander tun, die Kinder und Männer für gewöhnlich nicht miteinander tun. Genaugenommen sah ich nur die Kinder, von den Männern waren nur die Geschlechtsteile oder andere barbarische Instrumente ihrer Körper zu sehen, mit denen sie die Kinder malträtierten.
Ich sei Schriftsteller, sie fand, ich solle darüber schreiben.
Später, sehr spät in der Nacht, sah ich eine Reportage, im Fernsehen, über das Ficken von Kindern im World Wide Web. Angesichts des Grauens verstummte ich augenblicklich. Während ich mich still verhielt und darauf wartete, daß der Schmerz aufhörte, legte das Grauen seinen Weg durch mich zurück. Erneut stiegen jene Bilder in mir auf, die sie mir Monate zuvor im World Wide Web gezeigt hatte.
Ich sah die Faust eines Mannes wieder, wie sie im Anus eines Jungen steckte, und ich fragte mich, was die Faust eines Mannes im Anus eines Jungen zu suchen hatte. Auch das Mädchen, dieses namenlose Mädchen aus dem World Wide Web, dem ich einen Namen gegeben hatte, um seine schreckliche Anonymität für mich zu durchbrechen.
Nachdem ich lange genug aufgehört hatte, irgend etwas zu tun, die Nacht näherte sich bereits ihrem Ende, begann ich zu schreiben.
In den folgenden fünf Tagen und Nächten schrieb ich fünf verschiedene Fassungen. Ich holte die Dinge aus dem Dunkel zu mir heran, ich warf sie in die Dunkelheit zurück, weil ich es kaum ertragen konnte. Andere Dinge, sehr persönliche Dinge, richteten sich plötzlich in ihrer ganzen Größe vor mir auf, und ich hatte meine liebe Not, sie kleinzuhalten. An einem Tag fand ich den Text zu hart und versuchte ihn abzumildern, am nächsten machte ich alles wieder rückgängig. Dann, in der letzten Nacht, war es mir egal, ich widersetzte mich nicht länger, ich überließ mich dem Schreiben, ganz gleich, wohin es mich bringen würde. Mit dem, was ich sagte, würde vielleicht keiner einverstanden sein, doch da es authentisch war, wäre es vollkommen.
Ich finde, daß das Ficken von Kindern eine schreckliche Sache ist. Für ein geficktes Kind ist das, was es erlebt hat, niemals vorüber. Für ein geficktes Kind geht das Leben nicht mehr weiter. Für ein geficktes Kind ist das Leben immer schon gewesen.
Ich überlasse Ihnen meinen Text, der davon handelt, wie man im World Wide Web Kinder fickt, vor unser aller Augen sozusagen. Ich weiß nicht, was ich von Ihnen erwarten kann, was ich Ihnen zutraue. Andererseits glaube ich daran, daß, wenn es Menschen gibt, die fähig sind, Kinder zu ficken, es auch Menschen geben wird, die fähig sind, dem entgegenzuwirken.
Sehen Sie, wenn Sie ein Mensch sind, werden Sie auch in einem Kind einen Menschen erkennen.
Auf Initiative der Katholischen Bischofskonferenz wurde der Text in der Zwischenzeit auf der Homepage der Katholischen Kirche veröffentlicht.
R. W.
im Juni 2001
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Vorbemerkung
Im Haus der Provider, oder wie man vor aller Augen Kinder fickt
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