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Thesen
Donnerstag, 21. April 2005
Morgens... halb zehn in Deutschland...
...ein Politbonze klagt in einer Pressekonferenz die Mitnahmementalität der Bevölkerung an, während er für sich überlegt, ob er wohl seinem Steuerberater deutlich gemacht habe, dass das letzte Wochenende samt Familie auf Mallorca als „Geschäftswochenende” abgerechnet werden kann, denn immerhin habe er ja auf dem Flughafen seinen Parteikollegen gesehen...
...eine allein erziehende Mutter dreier Kinder fitscht durch Aldi und denkt: „ich würde ja gerne meine Kinder gesund ernähren, doch leider reicht das Geld dafür nicht aus”, während sie zum Toastbrot greift...
...es fragt sich ein Europapolitiker „hoffentlich denkt XYZ daran, mich in die Anwesenheitsliste der Sitzung einzutragen” während er genüsslich in das von seiner Frau liebevoll geschmierte Brötchen beißt...
...eine siebenfache Mutter und Sozialpolitikerin führt in einem Interview an, dass Frauen sich viel zu viele Gedanken um Pro und Contra Kinder machen würden. „Nicht darüber nachdenken, sondern Kinder in die Welt setzen” ist ihr Motto, es ließe sich doch alles regeln, während sich ihr Kindermädchen um ihre Kinder kümmert und ihre Perle den Haushalt schmeißt...
...ein ALGII Hilfe-Empfängerin überlegt bei Lidl, ob es heute Nudeln oder Reis mit Tomatensauce gibt, aber sparen müsse sie, denn die Jüngste ist in diesem Monat zu einem Kindergeburtstag eingeladen...
...ein Präsident eines großen Landes hofft beim Deutschlandbesuch, dass seine Verbündeten die Chance seiner modernen Kolonialpolitik erkennen, denn Kriegstreiberei ist ja auch Arbeitsplatzsicherung, denn immerhin werden damit ja zigtausende Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie gesichert...
...während sich ein Soldat beim Erhalt seines Marschbefehles fragt, ob er Frau und Kinder jemals wieder sieht und hofft, niemals in Situationen zu geraten, wo er von seiner Schusswaffe Gebrauch machen muss...
...ein Forschungschef einer Pharmafirma freut sich, dass er dem Asbachuraltmedikament einen „neuen”, längst bekannten Wirkungsbereich zufügen kann, was den Absatz des Medikamentes über Jahre zu überhöhten Kosten sichert...
...während sich eine 70 jährige Pflegeheimbewohnerin fragt, ob sie sich entweder das Medikament oder einen Arztbesuch oder einen Kaffee leisten kann...
...ein Vorstandsvorsitzender hält vor versammelter Belegschaft eine emotionale Rede, dass er es sehr bedauere, das Unternehmen für einen Scheinbetrag von 1 EU verkauft haben zu müssen, aber leider haben alle Rettungsaktionen nichts genutzt...
...während sich der kleine Angestellte dieses Konzerns fragt, ob nicht vielleicht die 60 Mio. Euro Ablösesumme für den Vorstandsvorsitzenden den Konzern hätten retten können...
... eine kleine schmächtige 80 jährige zieht sich ihre Wollreststrickjacke aus, streift sich die Bettsocken von den Füssen, schlüpft in ihren 30er Jahre Wollmantel und denkt sich „hoffentlich schmeißen die mich heute nicht aus dem Kaufhaus raus, aber irgendwo muss ich mich ja aufwärmen” während bereits im Postkasten die 3. Mahnung der Stadtwerke lauert, weil sie von der geringen Rente ihre Heizkosten nicht bezahlen kann...
...morgens halb zehn - HIER in Deutschland...
mit freundlicher Erlaubnis : Autor Spirits of Survival

