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Thesen

Dienstag, 23. August 2005

Wahlkampf

KOLUMNE von Ulrike M. Dierkes

Gestern las ich irgendwo, Schröder soll „Frauen und anderes Gedöns” zur Chefsache erklärt haben. Mich traf beinahe der Schlag. Jetzt bin ich gespannt...

Ehrlich gesagt, hatte ich dies insgeheim auch von ihm erwartet, denn diese Entscheidung ist überfällig. Schließlich sind Erfahrungswerte hierzulande und innergesellschaftlich das höchste Gut, da sie der Gesellschaft und Politik ungestreift und nahtlos wieder zugute kommen, sich über die Folgegeneration, also die nächste Wählergeneration auswirken und multiplizieren. Wer immer ihm hierzu geraten hat, ist klug; und er wäre klug, wenn er diesen Ratschlag beherzigen würde.

Also dranbleiben!

Eigentlich wäre seit Jahren Vieles Sache der Familien-, Frauen-, und Sicherheitspolitik gewesen, aber bisher glänzte die Politik darin, es an ehrenamtliche oder unbezahlte Frauen und Mütter zu delegieren, die alle Fragen des Hier und Jetzt und Später entweder mit sich selbst und ihren Kindern ausmachten oder Themen wie „Gewalt innerhalb der Familie” in von Frauen gegründete Vereine trugen. Dort, wo sie immerhin Anteilnahme, Empathie, Gehör und Hilfe fanden. Ich sage nur Frauenhäuser, Menschenrechtsorganisationen. Viele der dort ehrenamtlich engagierten Frauen bekamen nichts und wenn, dann gelegentlich ein Schreiben - so in dem Sinne: „Wir wissen ja, wie unbezahlbar Ihr Engagement ist, das Sie da für die ganze Gesellschaft leisten.” Es schien oft eher so, als wollte sich die Politik dieser gesammelten Erfahrungswerte entledigen. Sie brauchte diesen gefährlich gebildeten, engagierten und taffen Frauen nur die Mittel zu entziehen oder sie ihnen gleich vorzuenthalten. Dann hatte man alles unter Kontrolle, und von starken Frauen, die sich für Schwache (Frauen und Kinder) einsetzten, ging keine Gefahr aus. Jetzt also hat die Politik doch die „Frau” entdeckt. Das politische Potential der „Frau”, die so stark ist, trotz oder gerade aufgrund oder nach geschlagenen Schlachten zur Wahl zu gehen und die es schafft - mit einem blauen Auge davongekommen - ihre Stimme abzugeben.

Ich werde meine Stimme gelegentlich erheben - sobald mir hierüber Erfahrungswerte vorliegen.

(c) Ulrike M. Dierkes - Schriftstellerin („Schwestermutter”, Bastei Lübbe, 2004)

weiteres zum Streitgespräch

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Ulrike M. Dierkes: Meine Schwester ist meine Mutter - Inzestkinder im Schatten der Gesellschaft

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