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Thesen

Besser ist ein ungerechter Friede...

(als weitere Kreuzzüge der US-Amerikaner)

Die absolute Mehrheit der Menschen dieses Planeten hat wenig zu entscheiden, und viele sind durch kaum lebenswerte Umstände geschunden genug. Doch das reicht den Machthabern aller möglichen Länder nicht. Sie sind von Imperialismus, Zerstörungswut und anderen psychotischen Zuständen geplagt, wollen jedoch andere (die Mehrheit) dafür bezahlen lassen und uns alle obendrein in die Spätantike zurück katapultieren; eine Zeit, in der Augustinus (4. Jh.), einer der übelsten Vertreter der fundamentalistisch katholischen Kirche sein Unwesen trieb und den egoistisch gewollten Krieg - bellum justum - „erfand”, der nur einen gerechten Grund - justa causa - und rechtschaffende Absicht - recta intentio - bräuchte, um die „göttliche Ordnung” auf Erden wieder herzustellen...

Augustinus Welt- und Menschenbild wirkt immer noch. Ob das nun der von Rachegelüsten und infantilen Verhaltensweisen geplagte US-amerikanische Präsident Bush ist, der noch nicht einmal wirklich demokratisch gewählt wurde und von daher ein höchst zweifelhaftes Mandat inne hat; oder der eiskalte, eben anders gestörte „Chirurg” Saddam Hussein aus dem Irak: beide können so viel Nonsens in Wort und Tat von sich geben, wie sie wollen: Die Verantwortlichen aus Politik und Medien tun so, als wäre das jeweils klaren und vernünftig funktionierenden Hirnen entsprungen.

Ist es aber nicht!

Würde George W. Bush in einem normalen Umfeld als Angestellter oder Arbeiter leben, hätte man ihn mit solchem Verhalten längst von einem psychiatrischen Notdienst abholen lassen; wegen Verfolgungswahn und damit einhergehendem, pathologischem Realitätsverlust. Saddam Hussein wäre unter solchen „normalen” Umständen vermutlich längst im Knast für nicht mehr re-sozialisierbare Gewalttäter. Lebenslänglich. Und Augustinus hätte man in der heutigen Zeit vermutlich eine Sexualtherapie verschrieben, weil er nämlich genau da die allergrößten Probleme hatte, bevor er zum einflussreichsten Kirchenvater wurde (unter seinen psychotischen Gedankengängen leiden die Frauen in Sachen Verhütung und Abtreibungsregelungen bis heute!).

Aber all das darf niemand sagen. Tacheles ist „out”; oder war im Grunde noch nie „in”. Es regiert eine von Feigheit dominierte, vermutlich als Stilnorm geltende, angeblich diplomatisch ausgerichtete Unverbindlichkeit. Die sucht allerdings ihresgleichen, wenn man sich die wirklichen Gefahren einmal ungeschminkt und undiplomatisch vor Augen führt.

Dabei kamen unlängst Hoffnungsschimmer in Europa auf: der deutsche und der französische Regierungschef lehnten den Wahnsinn eines überhaupt nicht legitimierten Angriffskrieges (Briand-Kellogg-Pakt!) gegen den Irak, von dem ja ganz fix der ganze Planet betroffen sein könnte, laut und deutlich ab.

Doch gerade hierzulande, wo man die kurz-, mittel- und langfristigen Schrecken eines Krieges eigentlich kennen müsste, tönte und tönt die „christlich-demokratische” Opposition - allen voran zunächst Herr Merz, dessen Primitiv-Logik nur noch von seinen schlechten Manieren übertroffen wird - dass Deutschland außenpolitisch noch nie so schlecht dagestanden hätte wie gegenwärtig.

Dabei ist das Gegenteil ist der Fall!

Es folgte die Parteichefin Angela Merkel, deren Unfähigkeit, das Wort „Demokratie” auch nur zu buchstabieren, die NGO-Frauen bereits in den 90ern bei den Vorbereitungen zur 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 deutlichst zu spüren bekommen hatten. Besonders sie ist für bellum justum, ging sogar ungestraft petzen und entblößte damit nicht nur sich selbst, sondern tat damit uns allen etwas an: Blamage, Stillosigkeit, Verrat. Warum löst sie ihre höchst privaten Probleme der ungeliebten Leistungstochter denn nicht auf der Couch eines begabten Psychologen und hält, bis sich die ersten Therapieerfolge zeigen, nicht einfach den Mund?

Dabei hatte eine deutsche Regierung den Deutschen einmal wieder so etwas wie Profil - und im Ansatz sogar eigene Identität - zugestanden! Das gilt außenpolitisch, ist aber vor allem aber innenpolitisch wichtig. Denn: Wir sind keine Amerikaner. Und wir wollen auch keine sein! Wir sind Europäer und Europäerinnen.

Das bedeutet - besser: sollte bedeuten -, dass wir hier in Europa eine eigenständige Vorstellung, Planung und Implementierung von innen- und außenpolitischen Maßnahmen haben.

Und weiter noch: was spricht eigentlich dagegen, wenn sich zur Abwechslung einmal die USA an Europa orientierten?

Sie könnten dadurch beispielsweise die Menschenrechtssituation in ihrem eigenen Land verbessern: durch die Abschaffung der Todesstrafe, durch eine Demokratisierung ihres Wahlsystems u.v.m.

Auf diese Weise würden ihre Argumente in Sachen „Menschenrechte” irgendwann einmal glaubhaft werden, und das Land selbst würde vielleicht sogar seinen halsbrecherischen Spagat zwischen Spätantike (Denke) und Hightech-Zeitalter (Technik) überwinden können.

Wir Europäer und Europäerinnen sollten den USA in der Tat helfen, denn sie brauchen Hilfe: innenpolitisch und außenpolitisch. Und so etwas kann man getrost auch laut sagen.

Das Vitale, das Brisante dabei ist, dass man sie gegenwärtig dringend stoppen muss. Besser vorgestern als morgen. Die Ausfälle in Wort und Tat sind viel zu heftig und zu weit reichend gewesen und lassen Schlimmeres ahnen.

Die infantile Aufteilung in „Gut” oder „Böse” mitsamt deren frei flottierender Definition ist dabei nur ein pathologisches Merkmal; aber das müsste auch psychologischen Laien längst aufgefallen sein.

Müsste und muss!

Das Ganze hat nämlich eine brisante, politische Dimension. Die Politik der USamerikanischen Regierung ist zerfressen von Verhaltensmustern, die hinlänglich als absolut destruktiv und damit als gewalt-eskalierend bekannt sind: Hass und Rache. Mit anderen Worten: ohne jeden Verstand. Wie die Kreuzritter. Nur mit anderen Waffen.

Aber genau so etwas kann sich der Planet nicht mehr leisten. Es muss gegen gesteuert werden. Ignoranz, Intriganz, Hass und Gewalt müssen Verstand und Herz weichen. Mit europäisch entpersonalisierten Politiker/innen geht das freilich nicht.

Erasmus von Rotterdam (16. Jh.) machte zum so genannten „gerechten” Krieg die beste Bemerkung: ihm sei der ungerechteste Friede lieber sei als der gerechteste Krieg...

© Monika Gerstendörfer, 2003, Zeichen 5700

Angabe:

Das Vertragswerk des Briand-Kellogg-Pakt (erster und einziger Kriegsächtungspakt, Paris im August 1928):

Der Vertrag mit völkerrechtlicher Bedeutung gilt heute noch, wurde von 76 Staaten unterschrieben und dient u.a. als Basis für die Anklagen gegen den ex-jugoslawischen Staatspräsidenten Milosovic.

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